• Wibke Helfrich

Trüffelsuche im Piemont – Auf den Hund gekommen


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Lucky eilt mit ihrer Schnauze im Laub im wilden Zickzack durch den schon deutlich vom Herbst gelichteten Eichenwald. Vom Weiten sieht sie wie ein lebender Flokatiteppich aus, oder wie ein sehr zielstrebiges Schaf. Aber Lucky ist ein Hund und zwar nicht irgendein gewöhnlicher Wach-, Schoss- oder Hirtenhund, sondern ein speziell ausgebildeter Trüffelhund. Eigentlich kann jede Rasse für die Suche nach den wertvollen unterirdischen Pilzen eingesetzt werden, aber die Hunderasse Lagotto Romagnolo - die eben ein bisschen wie Flokati oder Schaf aussieht – soll dafür besonders gut geeignet sein.

Früher wurden für die Suche nach dem „weissen Gold“, wie der weisse Trüffel auch gennant wird, weibliche Hausschweine verwendet, da der Duft des Pilzes dem Sexualduftstoff des Ebers ähnelt. Aber scheinbar waren die Schweine dann so begeistert von der Köstlichkeit, dass sie das Meiste ihres Fundes auch gleich selbst verschlangen. Bei einem diesjährigen Kilopreis von über 3000 € ein teures Vergnügen. In Italien wurde deshalb diese Schweinerei auch prompt verboten, und so bekamen Lucky und ihre Artgenossen ihre Chance.

Aber auch hier gilt: Übung macht den Meister. Luckys Besitzer Giuseppe Baracco ist lizensierter Trüffelsammler und empfindet es als Ehrensache, den eigenen Hund auszubilden – so hat er Lucky von klein auf täglich selbst trainiert. Als Belohnung dient mit Trüffelöl bestäubtes Trockenfutter. Mit einem Trüffelmesser und einem mit Metallspitze versehenen Wanderstock bewaffnet sprintet er mit seinen langen Beinen Lucky hinterher, sobald diese anfängt, wie wild in der Erde zu wühlen.

Bis wir es zur Ausgrabungsstätte geschafft haben, hält uns der Jäger schon einen schwarzen Trüffel unter die Nase. Noch glauben wir nicht so recht an Luckys Geschick, denn es ist ja auch ‚nur‘ ein schwarzer Trüffel. Wir wollen schon den richtigen, wertvollen, weissen Trüffel finden, dessen Saison im Oktober beginnt und zur Silvesterzeit endet (die besten Trüffel findet man von Mitte November bis Ende Dezember).

Seit 1930 findet deshalb zu dieser Zeit die Trüffelmesse ‚Fiera Internazionale Tartufo Bianco d’Alba‘ in der italienischen Region Piemont statt.

Diese Veranstaltung gehört unter Gastronomen, Trüffelsammlern und Feinschmeckern zu den Highlights der Region und zieht jährlich tausende Touristen aus der ganzen Welt in das kleine Städtchen Alba.

Dieses Jahr findet die Messe vom 8. Oktober bis zum 27. November statt. Natürlich ist die Veranstaltung gross und auch touristisch. Doch gerade für Besucher, die die feinen Qualitätsunterschiede der Trüffel noch nicht auf Anhieb ausmachen können, ist es eine gute Chance, qualitativ hochwertige Pilze zu erstehen: für diese Messe zertifiziert ein Kontroll-Komitee aus fachkundigen Experten die angebotene Ware.

Inzwischen hat sich die Messe zu einem Ereignis gemausert, das auch vom Jet-Set nicht verpasst werden darf und so waren im Laufe der Jahre viele berühmte Persönlichkeiten Messegäste. Darunter Sportler wie Joe di Maggio, Regisseure wie Alfred Hitchcock, Schauspieler wie Ugo Tognazzi, Alain Delon oder Gerard Depardieu.

Die internationale Reputation des weißen Alba-Trüffels hat den Preis für das weisse Gold in ungeahnte Höhen getrieben: Im Jahr 2010 wurden 13 Trüffel für 307.200 Euro versteigert. Die wertvollsten Exemplare gingen für 105.000 € nach Hong Kong, die anderen fanden im lokalen Grinzane für 100.000 € ihre Käufer.

Freilich braucht es nicht das Vermögen eines Millionärs, um in Alba voll auf seine Kosten zu kommen. Die mittelalterliche Stadt liegt malerisch zwischen den Hügellandschaften der Langhe und des Roero. Kaum in der Altstadt angekommen, wird man auch gleich von allen Seiten durch kulinarische Angebote in Versuchung geführt. Die Schaufenster der kleinen Läden sind wahlweise mit Wildschweinsalami, Käse, hausgemachten Eiernudeln, Schinken, Steinpilzen oder Süssigkeiten vollgepackt. Alles so liebevoll und appetitlich italienisch dekoriert, dass es schon grösste Willensanstrengung fordert, nicht gleich zur Verkostung in das erste Restaurant zu gehen.

Die Trüffelmesse befindet sich mitten in der Stadt. Sobald man die Halle betritt, umhüllt einen der intensive Geruch des Stars der Veranstaltung. An zahllosen kleinen Ständen kann man die frisch gesammelten Schätze bewundern - immer unter Glasglocken gut geschützt aufbewahrt, damit sich der intensive Geruch nicht zu schnell verflüchtigt. Käse, Öle und Salami mit Trüffelgeschmack, riesige Steinpilze, Süssigkeiten und insbesondere auch die exzellenten Weine der Langhe & Roero – dessen Weinberge seit 2014 zum UNESCO Weltkulturerbe gehören – können hier verkostet werden. Ein Fest für alle Sinne, das kaum zu überbieten ist.

Klangvolle Namen wie Alba, Asti, Barolo versprechen önologische Verlockungen auf höchstem Niveau. Jedes der zahlreichen einladenden Dörfer und Städtchen hat mindestens einen Weinkeller, den man besuchen kann.

Das Etikett des Traditionsweinguts Fontanafredda hat an seine Besucher eine klare Empfehlung: „No Mail“ heisst hier die 2008er Ernte, die gerade in Flaschen gefüllt wurde. Zwei Pfeile machen klar, worum es hier geht: Ein Pfeil (E-Mails) geht nach unten, der Zweite (Glück) geht nach oben.

Lucca scheint dieses Glückskonzept schon verwirklicht zu haben. Nach unserer Kellerbesichtigung entkorkt der Sommelier gut gelaunt vier Flaschen Nebbiolo. Diese Rebsorte mag es auch nicht hektisch - sie gehört zu den am langsamsten reifenden Weinen überhaupt. Damit aber auch zu denen, die ihre Qualität am längsten behalten. Der Nebbiolo ist zudem noch piemonter Lokalpatriot, denn er ist so anspruchsvoll, was Lage und Boden angeht – er gedeiht praktisch nur auf kalkhaltigen Böden und verlangt steile Süd- oder Südwestlagen – dass er praktisch nur in dieser Region als wirklich hochwertiger Wein angebaut werden kann.

Lucca schenkt den tiefroten taninhaltigen Rebensaft in die Gläser und zeigt uns auf einer Karte, von welchen Weinbergen die jeweiligen Flaschen stammen.

Nur ein paar Kilometer weiter darf sich der Nebbiolo-Wein Barolo nennen, da diesen Namen – der Champagner lässt grüssen – nur Weine aus einem ganz bestimmten Gebiet trafen dürfen. Lediglich knappe 800 Einwohner zählt das pittoreske Dorf, das zwischen Weinreben auf einem Hügel thront. Der steile Anstieg zum gegenüberliegenden Aussichtspunkt lohnt sich für die Postkartenansicht, die sich von hier auf das weltberühmte Dorf mit dem klangvollen Namen bietet.

Auch hier gibt es zwischen den Weinbergen Eichenwälder, in denen der weisse Trüffel unter der Erde nur darauf wartet, von Lucky gefunden zu werden. Unbeirrt von unserer Skepsis steckt das Hundeweibchen ihre Schnauze weiter in die Blätter und läuft munter weiter von rechts nach links - nur unterbrochen von kurzem Scharren, bei dem sie jedes Mal einen kugelrunden, schwarzen Trüffel zum Vorschein bringt. Giuseppe gibt ihr schliesslich einen zur Belohnung für ihre Mühe – und dieser wirkt wie ein plötzlicher Startschuss. Gleich am nächsten Hügel fängt sie wie wild an, tiefer zu buddeln! Ihr Herrchen kommt ihr mit dem Trüffelmesser zuvor, denn auch ein Hund kann beim Scharren den empfindlichen weissen Pilz zerbrechen. Vorsichtig legt Pepe die Erde rund um den Trüffel frei. Einen Teil hat Lucky erwischt, aber jetzt können sogar unsere Nasen den betörenden Duft riechen. Den Hund lässt das kalt, er hat einige Meter weiter schon wieder neue Beute gemacht und zaubert einen weissen Trüffel nach dem anderen aus dem feuchten Waldboden. Am Ende unserer „Jagd“ hat sich unser anfänglicher Zweifel in Wohlgefallen aufgelöst. Bei Lucky ist der Name tatsächlich Programm! Der stolze Hundebesitzer Pepe verkauft uns die Beute zu einem sehr fairen Preis und ermöglicht uns somit auch einmal – wie die Stars – im weissen Gold zu schwelgen.

Offizielle Seite der Trüffelmesse in Alba:

http://www.fieradeltartufo.org/2016/en

Anreise:

Mit dem Auto dauert es ca. 7:30 Stunden von Heidelberg nach Alba. Direktflüge von Frankfurt nach Turin gibt es beispielsweise mit der Lufthansa ab 150 € (www.lufthansa.com). Vor Ort empfiehlt sich zum Erkunden der Gegend ein Mietwagen (www.billiger-mietwagen.de).

Unterkunft:

Das wunderschön restaurierte „Bed & Breakfast Ca'Alfieri al 30“ hat sechs liebevoll mit Antiquitäten eingerichtete Zimmer (ab 130 € pro Nacht, inklusive Frühstück mit lokalen Produkten und selbstgemachten Kuchen). Mein Lieblingszimmer ist die blau-weisse Suite „Jolanda“ direkt unter dem Dach. Die Besitzerin Fulvia spricht perfekt deutsch und hat jede Menge Insidertipps für ihre Gäste.

Hier kann man auch die oben beschriebene Trüffelsuche buchen (Dauer 2 Stunden, 40 € pro Person. Der gefundene Trüffel gehört dem Trüffelsammler, kann aber meistens zu einem sehr guten Preis von diesem erstanden werden).

Fulvias Mann Bruno veranstaltet im hauseigenen Weinkeller mit angeschlossener Küche Weinproben und Kochkurse (ab 100 € pro Person).

Bed & Breakfast Ca'Alfieri al 30, Corso Alfieri 30 - 12040 Govone, Tel.: +39 0173 58909, Handy: +39 342 0911094 , email: INFO@ALTRENTA.IT, www.altrenta.it

Essen:

Die „Osteria Ostu D'Jon“ ist in jeder Hinsicht ein unglaubliches Erlebnis. Das Restaurant sieht auf den ersten Blick aus wie eine Sportkneipe, die mit Kerzen erleuchtet wurde. Der Wirt stellt dem Gast ohne Nachfrage eine 2-Liter Flasche Wein auf den Tisch und es gibt kein Menu zum Auswählen (man kann aber sagen, dass man Vegetarier ist). Die Weinflaschen werden je nach Gang von einem Tisch auf den nächsten verteilt. Das Essen ist frisch zubereitet, reichlich und einfach köstlich. Besondern mit der Trüffelreibe ist der lustige Wirt nicht sparsam … Menu pro Person incl. Wein ca. 60 Euro.

Osteria Ostu D'Jon, Via San Giuseppe 1, 12050 Castagnito, Roero, Tel+39 (173) 213600

Weingüter:

Samstags und Sonntags kann man die Weinkeller von Fontanafredda besuchen. Am besten vorher reservieren (unter der Woche +39 0173 626448, am Wochenende +39 0173 626136)

Fontanafredda Srl, Via Alba, 15, 12050 Serralunga d'Alba, info@fontanafredda.it, http://www.fontanafredda.it

Ebenfalls sehr schön ist das Weingut mit angeschlossenem Weinkeller im Castello di Verduno. Im Schloss gibt es auch ein Hotel und ein Restaurant.

www.castellodiverduno.com, Via Umberto I, n.9 Verduno (CN) 12060, cantina@castellodiverduno.com Tel: +39 0172470284

Tips zur Trüffelaufbewahrung:

Den Trüffel am besten in ein Papier gewickelt in einem verschraubbaren Einmachglas aufbewahren. Selbst der Deckel schützt allerdings nicht vor dem intensiven Geruch, deshalb am besten schnell aufessen … dafür den Pilz nicht abwaschen, sondern nur mit einer Bürste vorsichtig säubern.

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