• Wibke

Wintersonnenwende in Newgrange/Irland


Freitag > 12:00 Uhr: Ankunft in Dublin. Nehmen Sie sich einen Mietwagen und los geht es auf die M50 Richtung Süden. Und daran denken: Immer schön auf der linken Seite fahren!

> 14:00 Uhr: Verlassen Sie die N11 – Straßenübergänge sind in Irland recht fließend – an der Ausfahrt Enniskerry. Durch grandiose Alleen und Parkland- schaft erreichen Sie die Gärten von Powerscourt (www.powerscourt.ie). Patri-cia Schultz schreibt in ihrem Bestseller „1000 places to see before you die“ (auf deutsch: 1000 Orte, an denen Sie gewe- sen sein sollten, bevor Sie sterben), dass dieser Park der schönste Irlands, wenn nicht so gar der ganzen Welt ist. Tat- sächlich ist die 18 Quadratkilometer große Parkanlage mit dem angrenzenden Herrenhaus atemberaubend: Im Hinter- grund erheben sich die Wicklow-Berge, im Vordergrund leuchten über 1000 Grün- Schattierungen um die Wette. Silberne Pegasus-Statuen säumen den Teich, der im Herzen der terrassenförmig angelegten Parklandschaft liegt. Hier kann man auch den mit 120 Metern höchsten Wasserfall Irlands bewundern. Golfliebhaber kommen eben- falls voll auf ihre Kosten. Auf dem weit- läufigen Grundstück befindet sich der beste 36-Loch Golfplatz Irlands. Bevor Sie all diese Eindrücke in sich aufsaugen, kann ich Ihnen nur einen Lunch im Terrace Café mit Blick auf den Garten empfehlen. Die frisch zubereiteten Gerichte strafen die schlechte Reputation der englischen Küche – gegen die sich Iren zurecht wehren – Lügen. Das heutige Herrenhaus steht auf den Grundmauern einer im 13. Jahrhundert erbauten Burg. 1947 wurde das Haus durch einen Brand völlig zerstört. Erst vor kurzem wurde es wieder aufgebaut und beherbergt heute neben dem Café, Museum und Ballsaal einen tollen Laden, der von der Wolldecke, Küchenutensilien, Gummistiefeln bis hin zum witzigen Accessoire alles bietet, was das (weibliche) Kundenherz höher schlagen lässt (www.avoca.ie). > 18:00 Uhr: Nach 45 Minuten Autofahrt erreichen Sie Ihre erste Unterkunft: Das Tinakilly Country House. Das hübsche Landhaus aus dem 19. Jahrhundert wurde für den Schiffskapitän der „Great Eastern“ erbaut, mit der 1866 das erste funktionstüchtige Transatlantikkabel verlegt wurde. Neben dem Meerblick aus den oberen Räumen erinnern auch viele nautische Sammlerstücke an seinen ersten Besitzer. Nehmen Sie sich ein gutes Buch, und machen Sie es sich in einem der vielen Sessel vor dem Kamin oder im Garten bequem, bevor der Koch Sie am Abend im angrenzenden Restaurant verwöhnen wird. Samstag > 07:00 Uhr: Es empfiehlt sich, ein Zimmer mit Meerblick zu buchen und dann auch schon Mal zum Sonnenaufgang (wenn es nicht regnet ...) aus dem Fenster zu schauen. Der Blick über den Garten und das angrenzende Naturschutzgebiet bis hin zum Meer ist in den ersten Sonnenstrahlen unbeschreiblich. Genau wie das irische Frühstück, das es im Tinakilly gibt: Irisches Soda-Brot, gebratene Pilze, Tomaten, Eier, Speck, Früchte …

> 10:00 Uhr: Nach so einem Frühstück gönnen Sie sich besser eine halbe Stunde Verschnaufpause, bevor Sie Ihre Beine vertreten. Die kurvige Landstraße bringt sie tiefer in die Wicklow Berge. Glendalough (www.glendalough.ie/) heißt übersetzt „Tal der zwei Seen“. Schon im 6. Jahrhundert wurde hier vom heiligen Kevin ein Kloster gegründet. In alten Überlieferungen wird berichtet, dass bereits im 12. Jahrhundert mehr als 3.000 Menschen in diesem Tal lebten und sieben Kirchen bestanden. Obwohl mehrmals Wikinger und englische Truppen das Kloster überfielen und 1398 größtenteils zerstörten, konnte es sich noch bis zur Auflösung aller irischen Klöster im Jahr 1539 durch den englischen König Hein- rich VIII behaupten. Das auffälligste Monument der verstreuten Klosteranlagen ist der 33 Meter hohe Rundturm – um 1066 während der Wikingerinvasionen errichtet, um die religiösen Reliquien, Bücher und Kelche zu schützen. Insgesamt neun sehr gut be- schilderte Wanderwege beginnen beim Besucherzentrum des Wicklow Mountain National Parks in Glendalough. Je nach Lust, Laune und Fitness können Sie zwischen einem ebenen Spaziergang rund um den kleineren Lower Lake bis hin zur sehr lohnenswerten 4-stündigen Wanderung mit einigen Höhenmetern wählen. Im Besucherzentrum erhält man eine Übersichtskarte und einen Plan über die verschiedenen Wanderwege.

> 16:00 Uhr: Nach so viel Bewegung ist es eine Erholung 1,5 Stunden im Auto zu sitzen und die wunderschöne Natur an sich vorbeiziehen zu lassen. Der Weg führt Sie an Dublin vorbei Richtung Norden nach Rossnaree. Nehmen Sie die Ausfahrt Newgrange und folgen Sie der Ausschilderung zu der historischen Stätte. Fahren Sie an Newgrange vorbei. Nach weiteren drei Kilometern geht es auf einem Hügel scharf rechts durch die weißen Tore von Rossnaree Houses. Lassen Sie das Torhaus rechts liegen – der Kiesweg führt Sie zum Haupthaus. Antike Möbel und ein Bad, das größer als die meisten normalen Hotelzimmer ist, werden Ihnen das Gefühl geben, in einer anderen Zeit gelandet sein.

Vom Fenster kann man über den geschichtsträchtigen Fluss Boyne und das bedeutende Steinzeitgrab „Newgrange“ schauen. Aisling Law, Besitzerin dieses im viktorianisch-italienischen Stil gebauten Anwesens, ist eine Künstlerin, deren Eltern die irische Kunstszene entscheidend geprägt haben. Ihre Mutter Imogen wurde in Deutschland geboren und ist eine der bedeutendsten irischen Künstlerinnen der Moderne. Ihr Vater Ian Stuart hat unter anderem im Museum of Modern Art in New York ausgestellt. Die Großmutter war die berühmte Maud Gonne, die Geliebte des Dichters William Butler Yeats, der ihr zahlreiche romantische Gedichte schrieb. Was liegt also näher, als diese lange künstlerische Familientradition mit dem großartigen Familiensitz zu verbinden? Aisling beschloss 2007 – nach einem Aufenthalt an der Kunstschule in Florenz, den italienischen Flair nach Irland zu bringen. Jeder ist willkommen, an den verschiedenen Kursen teilzunehmen. Verschiedene Lehrer bieten Kurse in klassischer Malerei an (Mehr Info unter: www.rossnaree.ie/artschool/). Für dieses Wochenende müssen Sie sich aber wohl mit einem Spaziergang zum Fluss, Stöckchenspiel mit dem irischen Wolfshund und einem Abendessen mit Blick auf Newgrange zufrieden geben. Danach vielleicht noch ein Whiskey am Kaminfeuer und man wünscht sich die alten Zeiten der Lords zurück. Sonntag > 07:00 Uhr: Rossnaree hat vier individuell gestaltete Zimmer. Falls Sie Glück haben und im William Morris Zimmer residieren, können Sie den Sonnenaufgang über dem Grabhügel, der älter als die Pyramiden ist, aufgehen sehen. Auch Aisling wird Sie nicht ohne ein typisch irisches Frühstück ziehen lassen.

> 10:00 Uhr: Heute steht die Besichtigung von Newgrange auf dem Programm. Die Anlage wurde circa 3150 vor Christus erbaut. Sie ist eine der weltweit bedeutendsten Megalithenanlagen. Länger als eine halbe Stunde kann eine Besichtigung eines so schlichten Steingrabes wohl kaum dauern, denken Sie verständlicherweise? Weit gefehlt. Mehrere Stunden sollten Sie einplanen, archäologisch Interessierte entsprechend mehr. Erst 1962 konnte das Geheimnis dieser Grabanlage durch den Professor Michael O’Kelly gelüftet werden: Nur zur Zeit der Wintersonnenwende wandert bei Sonnenaufgang ein Lichtstrahl durch eine Öffnung über dem Eingang. Die 22 Meter im Hügelinneren gelegene Grabkammer wird dann für eine kurze Zeit dramatisch erleuchtet. Für die Teilnahme an der echten Sonnenwende liegen im Besucherzentrum Lotteriescheine aus – und wer weiß, vielleicht haben Sie ja Glück und werden gezogen. Aber auch im Sommer kann man, dank einer Lichtinstallation, den Effekt gut erahnen.

> 14:00 Uhr: Die Autobahn M1 bringt Sie in rund einer Stunde in die Innenstadt von Dublin. Ihre nächste Unterkunft „Number 31“ liegt ganz in der Nähe des Parks St. Stephen’s Green. Noel und Deirdre Comer haben mitten im Herzen Dublins ein modernes und ein viktorianisches Haus in ein preisgekröntes Bed & Break- fast verwandelt. Vor allem das Frühstück im Wintergarten über den Dächern Dublins sollte man sich nicht entgehen lassen. Die Gebäude sind durch einen kleinen Garten, der Ruhe im Großstadtlärm bietet, verbunden. Alle Zimmer sind so gemütlich und geschmackvoll eingerichtet, dass man am liebsten für immer bleiben würde. Aber Dublin hat noch viel mehr zu bieten! > 16:00 Uhr: Nicht nur Harry Potter Fans werden beim Anblick der Bücherei des Trinity College vor Ehrfurcht verstummen. Höhepunkt ist das um das Jahr 800 geschaffene Book of Kells, eine der schönsten mittelalterlichen Handschriften. Wer sich vor dem Besuch noch nicht in Bücher verliebt hat, wird hier sein Herz verlieren.

(Foto: National Monuments Service Ireland)

Geheimtipp: An jedem ersten Sonntag im Monat wird auf dem Smithfield Square ein Pferdemarkt abgehalten. Hier sieht man einen lebhaften Handel mit struppigen Mischungen, bunten Ponys und mehr oder minder störrischen Eseln. Während Kinder und Jugendliche ohne Sattel und mit einem Strick als Zaum- zeug reiten, kann man die merkwürdigsten und schrillsten Typen bei Verkaufsgesprächen beobachten. Hier wird noch Cash nach Handschlag bezahlt, mit- ten in einer europäischen Hauptstadt!

> 20:00 Uhr: Nach einem Bummel durch die belebten Straßen Dublins haben Sie sich Ihr Guinness in einem typisch irischen Pub wohlverdient. Im Viertel Temple Bar gibt es eine große Auswahl an guten Kneipen, die neben Pubfood auch irische Live Musik bieten – ein perfekter Ausklang für ein perfektes Wochenende.

INFORMATIONEN ■ Allgemeine Auskünfte erteilt die Irland Information in Frankfurt, Telefon 069 66 800 950, http://www.ireland.com/de-de/ ■ Anreise: Mit dem Flugzeug von Hahn nach Dublin mit Ryanair, ab 65 Euro retour, www.ryanair.de. Den Mietwagen bucht man einfach und günstig im Internet über www.billiger-mietwagen.de. Hier gibt es einen Kleinwagen ab 45 Euro. ■ Übernachten: In Rathnew im Tinakilly House, Rathnew, County Wicklow, Ireland Telefon 00353 404 69274, www.tinakilly.ie, Doppelzimmer mit Frühstück ab 90 Euro. Im Rossnaree in der der Nähe von Newgrange liegt das Aisling Law, Rossnaree, Slane, Co.Meath, Telefon 00353 41 9820 975, www.rossnaree.ie. Doppelzimmer mit irischen Frühstück 140 Euro. In Dublin im Number 31, 31 Leeson Close, Dublin 2, Te- lefon 00353 1 676 5011, www.number31.ie. Das Doppelzimmer mit irischen Frühstück kostet 140 Euro pro Nacht. ■ Essen und Trinken: The Quays Irish Restaurant mit traditionellem Irischen Essen zu fairen Preisen, 10-12 Temple Bar Square, Dublin2, Telefon 00353 1 679 1923, www.quaysrestaurant.com/. In Beshoff gibt es einen der bekanntesten Fish’n Chips Lä- den Dublins. Gründer Ivan Beshoff gehörte 1905 zu den Meuterern auf dem Panzer- kreuzer Potemkin und starb mit 104! Jahren in Dublin – so ungesund kann Fish’n Chips ja dann nicht sein.

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