• Wibke

Traumwanderung rund um den Monte Cofano in Sizilien


Schon bei unserem Anflug auf den Flughafen von Trapani können wir die Silhouette des Monte Cofano gut sehen. Er erhebt sich 659m aus einer Halbinsel - alles zusammen bildet das „Monte Cofano Naturreservat“.

Es ist Frühling, überall blühen Blumen: neben dem Weg, auf dem Weg … ich weiss gar nicht mehr, wo ich meine Füsse hinsetzen soll. Überall leuchtet es in den Farben Blau, Gelb, Rosa, Orange, natürlich eingerahmt vom frischen Grün. Selbst meine Schwester - immerhin Gärtnermeisterin - kommt bei der Bestimmung all dieser floralen Pracht an ihre Grenzen.

Unser erstes Ziel ist einer der Türme, der zum Schutz der hier liegenden Thunfischfabrik gebaut wurde. Schon um 1560 wurde im grossen Stil Thunfisch gefangen, der diesem Küstenabschnitt erheblichen Reichtum brachte. Somit war auch ein Turm nötig, um die Schätze gegen die Piraten zu schützen. Heute liegen die kleinen Häuschen - rund um den mit gewölbten Aussenwänden gemauerten Turm - sehr idyllisch in der Sonne, und die Bänke mit Blick aufs Meer locken schon jetzt zu einer Rast.

Da aber unser Rundweg hier enden wird, verschieben wir unsere Pause … Die nächsten Stunden laufen wir knapp überhalb des Meeres durch traumhafte Landschaft. Auf der linken Seite erhebt sich die steile, felsige Flanke des Cofano, die dann in einem breiten, mit Palmen und Blumen bewachsenen Grünstreifen abfällt. Auf der rechten Seite des Weges brandet das azurblaue Meer an den schroffen Fels. Wir wandern also direkt über der Brandung! Entlang des Weges gibt es mehrere Sehenswürdigkeiten wie den Brautschleier, den man einer Sage nach im Meer sehen kann, oder eine tiefe Höhle, die man erkunden kann. Für mich war der Weg zwischen Berg und Meer allerdings unbestritten die grösste Attraktion!

Auf der Südseite des Berges angelangt, blühen gerade wunderschöne weisse Wildblumen, die zusammen mit den verstreuten Felsbrocken ein absolut malerisches Ensemble bilden.

​​Anstatt gleich zum Sattel aufzusteigen lohnt es sich, einen Abstecher zur riesigen Grotta di Mangiapana zu machen, die schon seit prähistorischen Zeit bewohnt wurde und heute als Heimatmuseum dient. Anfang des 19. Jahrhunderts hat die Familie Mangiapane - in der circa 70 Meter hohen und 50 Meter tiefen Grotte - fünf kleine zweistöckige Häuser gebaut, ein Lager und zwei Ställe. Der Besuch empfiehlt sich am späten Nachmittag, wenn die tiefstehende Sonne die Grotte optimal ausleuchtet. Bei uns war das Tor auch am Abend offen und nur eine schnatternde Gans und ein radschlagender Pfau sorgten dafür, dass ich mich nicht in alle Gässchen traute … Der steile Weg zum Pass bietet immer wieder im wahrsten Sinne atemberaubende Ausblicke aufs Meer. Oben angekommen, erwarten uns zottelige Rinder, deren Fell im hier heftigen Wind flattert. Der Wind sorgt auch dafür, dass wir nicht noch auf den Gipfel steigen. Denn dieser beinhaltet wohl auch einige Kletterstellen - soll aber leicht machbar sein. Wir wählen die leichte Variante und laufen in Serpentinen zurück zu unserem „Thunfisch-Turm“, um uns endlich in die Sonne zu setzten. Könnte jetzt bitte jemand noch einen Capuccino bringen? Dann wäre die Wanderung perfekt!!!

Steckbrief:

Der Rundweg einmal um den Monte Cofano ist gemütliche 8 km lang, mit nur 315 Höhenmetern hoch und runter. Wir sind von San Vito de Capo kommend an der Küste von Castelluzzo gestartet - der letzte Parkplatz, bevor das Naturreservat des Monte Cofano beginnt. Von der SP 16 ist der Berg aber auch mit braunen Schildern gut ausgeschildert.

Wer will, kann auch direkt von San Vito loslaufen. Der Weg führt auf der SP16 aus der Stadt heraus. Rechts biegt ein Feldweg in die Via Salina, die leicht bergauf geht. Am Ende der Strasse führt ein Schotterweg steil zum Meer hinab, den ihr nach links Richtung Campingplatz und Turm immer am Meer entlang nehmen könnt. Dieser Weg führt ab jetzt immer weiter auf einer Schotterstrasse Richtung Cofano. Das Ziel ist der Berg - ihr könnt euch eigentlich nicht verlaufen. Allerdings solltet ihr pro Weg nochmal 12 km dazurechnen, was das Ganze dann zu einer strammen Wanderung macht. Eine andere Option ist natürlich auch, sich ein Fahrrad zu leihen, um sich diese Strecke zu erleichtern.

Hinkommen:

Ryanair fliegt - je nach Saison - 2-3 Mal wöchentlich von beispielsweise Karlsruhe oder Frankfurt Hahn nach Trapani. Unser Flug hat spektakuläre 50 Euro (ohne Check-in Gepäck) gekostet.

Wegkommen:

Mietwagen - direkt am Flughafen - gibt es ab 55 € für eine Woche beispielsweise bei billiger-mietwagen.de

Information:

An der Tür des Ymca Climbing House steht "We open at sunset" - sehr sympathisch - wer hat bei dem Outdoor - Freizeitangebot schon Zeit, tagsüber durch die Stadt zu laufen?

Abends kann man hier nicht nur ein Bier trinken, sondern auch geführte Wander, Kletter-, Mountainbiketouren, Reit- oder Paraglidingausflüge buchen. Wer will, kann hier auch Fahrräder leihen. Daniele - der Besitzer und Mit-Erschliesser des Klettergebietes - hat auch den sizilianischen Teil der ClimbAdvisor App geschrieben, den man sich für 9,99€ herunterladen kann. Anfangs etwas ungewohnt, da der Grobüberblick fehlt, aber nach und nach haben wir uns daran gewöhnt … Ymca Climbing House San Vito Lo Capo, VIA SAVOIA 195 -197, Tel: 333 7075707

Schlafen:

Wir haben über Airbnb ein Apartment gebucht, das gut gelegen war und eine sonnige Terrasse hatte. Für 41€ pro Nacht kann man da wirklich nicht meckern.

Daniele hat wohl auch Apartments zu vermieten, die ich allerdings nicht angeschaut habe: Residence Acqua Azzurra, Via Cala Mancina n° 39 – San Vito Lo Capoinfo cell. +39 3289720422 +39 333 7075707 -mail: info@acquazzurrasanvito.it

Wer ganz nah am Monte Cofano schlafen will, bucht das Agriturismo Rocca del tuono. Die Seite www.agriturismo.it gehört zu meinen Lieblingsseiten für Unterkünfte in Italien.

Essen:

Grosser Fan wurden wir vom Café Pino, wo wir zu unserem Sonnenuntergangs-Aperol Spritz so viel Snacks dazu bekommen haben, dass wir für einige Stunden satt waren. Via Savoia, 22, 91010 San Vito Lo Capo

#Wandern #Sizilien #MonteCofano #Italien