• Wibke

Tibet – Auf dem Friendship Highway von Lhasa nach Kathmandu


Interessanterweise ist das Erste an das ich beim Wort Tibet denke: Fiese Toiletten! Natürlich ist mein zweiter Gedanke gleich der Potala, tolle Klöster, dünne Luft, leuchtende Farben und Mönche in blutroten Kutten … aber die Toiletten waren wirklich unschlagbar ekelhaft. Eine lustige Geschichte dazu: Im Potala musste ich aufs Klo, zwei andere Mädels aus der Gruppe auch. Also gingen wir gemeinsam los. Die Toilette war eine grosse Halle mit Löchern auf dem Boden, auf dem schon mehrere andere Frauen kauerten. Die schlaue Tibeterin trägt einen langen Rock, da sieht das noch relativ unverfänglich aus. Bei Touristen liegt der Popo aber natürlich blank, was bei den einheimischen Damen allerlei Kicheranfälle auslöste. Ich musste über die Szenerie auch sehr lachen, dabei habe ich wohl den Kopf in das Genick geworfen und damit meine Sonnenbrille mit einem Hupser erst auf den Boden und dann durch ein Kaka-Loch direkt in die Untiefen des mächtigen Scheisshaufens befördert, der sich über die Jahre unter dem Potala gebildet hat.

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​Generell muss ich sagen, dass meine Erinnerung an Tibet zwiespältig ist. Wir hatten einen ständigen chinesischen Begleiter bei all unseren Besuchen. Im heiligsten Tempel der Tibeter, dem Jokhang-Tempel in Lhasa, wurden die einheimischen Pilger vom chinesischen Wachpersonal einfach an der Buddha-Statue vorbeigeschubst. Sie waren teils tausende von Kilometern zu Fuss an diesen Ort gepilgert!. Der Potala ist inzwischen ein Museum, durch das chinesische Gruppen geschleust werden. Der ehemalige Sommerpalast ist so verwahrlost, dass einem die Tränen kommen. Aber es gab auch etliche Momente, die mir den Atem raubten: Vor dem ehemaligen Sitz des Dalai Lama machten Pilger in traditionellen Kleidern Niederwerfungen. Manche bestreiten ihren gesamten Pilgerweg durch das Abmessen der Strecke mit ihrer Körperlänge - das heisst: Menschen in wirklich abgetragener, schlechter Kleidung mit Lumpen um die Knie und Holzblöcken an den Händen legen sich auf den Boden, laufen dann bis zu dem Punkt, an dem die Hände im ausgestreckten Zustand den Boden berührten und werfen sich dann wieder nieder. So viel Hingabe finde ich wirklich beeindruckend! Überall wird mit „Tashi Delek“ gegrüßt, was auf deutsch in etwa „Viel Glück" bedeutet. Die Pilger und Mönche waren extrem aufgeschlossen, und so haben wir versucht, uns mit Händen und Füssen zu verständigen.

Hier ein - wie immer sehr verwackeltes :;) - Video

Je länger ich über Tibet nachdenke, desto mehr kommen mir Szenen in den Sinn, die ich sehr traurig fand: Buddhistische Mönche, die den Dalai Lama nicht erwähnen dürfen; der von den Chinesen ernannte Panchen Lama; der Zwist um Dorje Shugden; der langsame Prozess, die Tibeter zur Minderheit im eigenen Land zu machen - der durch den Anschluss an das chinesische Eisenbahnnetz noch beschleunigt wird; viele arme Menschen, die in dem sehr kargen Land wenig zu Essen haben und dann eben auch die schlechten hygienischen Standards - womit wir wieder bei den Toiletten wären.

Hier noch zwei Reisetipps:

1. Lhasa liegt schon auf knapp 3700 Meter. Wer mit dem Flieger aus Kathmandu anreist, dem wird wahrscheinlich erst mal die Luft wegbleiben. Wenn möglich, in Nepal schon mal auf Höhe wandern. Wenn nicht - es die ersten zwei Tage wirklich ruhig angehen …

2. Das Essen ist meistens richtig fies, insbesondere für Vegetarier. Klar, auf über 3700 Metern wächst nicht mehr allzu viel und so gibt es eigentlich nur Yak und Buchweizen … und Yakbutter. Also ich empfehle ein paar Packungen Nussmischungen, damit kommt man ganz gut durch.

Lecker Essen :;)!

Lesen:

Ich weiss, dass Heinrich Harrer in die Machenschaften des Nazi-Regimes verstrickt gewesen sein soll. Aber sein Bestseller „7 Jahre Tibet“ war für mich trotzdem der Anreiz, dieses wunderschöne Land im Himalaya zu besuchen.

Pauschal:

Wir haben die Reise über Intrepid gebucht. Unser Reiseführer Bike (Baikuntha Simkhada) war absolut super und arbeitet normalerweise für Royal Mountain Travel, die Touren in Tibet, Nepal und Bhutan anbieten. Ein deutscher Veranstalter ist beispielsweise der DAV Summit Club

#Buddhismus #Tibet #FriendshipHighway