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Von Christen und Mauren – Bei der „Es Firo“ in Sóller kennt Mallorca nur Schwarz und Weiss


Wer es auf Mallorca mal so richtig krachen lassen will, der sollte an diesem Wochenende zum Stadtfest nach Soller fahren. Hier wird - mit totalem Verzicht auf Political Correctness - der Sieg vom 11. Mai 1561 der mallorquinischen Christen über die Mauren gefeiert. Schon Wochen vorher zieren wahlweise der Halbmond oder das Kreuz Felswände, Häuser, Leuchttürme und Autos - die ganze Stadt ist im Feierfieber. Kein Wunder: die „Firo de Sóller“ dauert 11 Tage, da muss man wirklich in bester Partylaune sein.

Normalerweise ist Soller eine eher beschauliche Stadt in den Bergen der Tramuntana, aber an jenem zweiten Maiwochenende ist es vorbei mit dem Frieden. Die eine Bevölkerungshälfte malt sich mit Schuhcreme schwarz an, schmeisst sich in arabisch anmutende Kleidung, setzt sich Turbane auf den Kopf und lässt am Strand den Kampf zwischen Mauren und Christen neu aufleben. Auch die „weisse“ Bevölkerungshälfte lässt sich bei diesem Anlass nicht lumpen: liebevoll selbstgenähte Trachten werden stolz von alt und jung getragen. Egal ob zur Blumenniederlegung in der Kathedrale, oder auch zum wilden Kampf am Strand.

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Die wilde Fiesta hat allerdings nicht nur Freunde, denn die halbe Insel fährt in diesen Tagen zum Feiern nach Sóller. Die Stadt ist bemüht, den Sauftourismus in Grenzen zu halten und wird auch dieses Jahr wieder den Zutritt zum Dorfplatz zahlenmässig beschränken. Eine englische Dame ist entsetzt, als ich erzähle, dass ich zur Firo gehen will und rät mir, vorsichtig zu sein, "da dort auch gegrapscht wird“ (entspricht nicht meiner persönlichen Erfahrung, habe aber vielleicht auch nur Glück gehabt). Durch strenge Alkoholkontrollen an den Ortsausfahrten versucht die Polizei indirekt dazu beizutragen, dass sich an dem Schauspiel weniger "Sauf-Touristen" aus anderen Orten beteiligen. Wie man mit den Reisebussen umgehe, die in den vergangenen Jahren vor allem jugendliche Fiesta-Teilnehmer aus den umliegenden Orten ankarrten, sei noch nicht entschieden, hieß es im Rathaus. Juan Rodrigez, ein älterer, mallorquinischer Herr, wischt meine Bedenken beiseite: „Klar ist es laut und wild, so war es schon immer. Was glaubt Du erst, wie es 1561 war … und wenn es Dir zu wild wird, dann gehst Du einfach ins Hotel“. Weise Worte eines - allerdings halbtauben - Mannes und so stürze ich mich ins wilde Getümmel.

Der Höhepunkt der Festlichkeiten findet Montags nachmittags statt - die nachgestellte Invasion. Aus eigener Erfahrung kann ich empfehlen, alte Kleider und Ohropax zu tragen - es wird garantiert laut. Auch den Lieblingsstrohhut würde ich an diesem Tag besser im Koffer lassen. Denn der mit Schuhcreme schwarz bemalte Maure hinterlässt nicht nur gerne seine Fingerspuren auf - vorzugsweise weiblicher - Kleidung. Er klaut auch gerne - vorzugsweise männliche - Strohhüte, wirft sie in die Luft und zerschiesst sie! Die Mauren landen mit Schiffen am Strand von „Repic", wo sie von der „bäuerlichen“ Bevölkerung mit einer riesigen Rauchwolke empfangen werden. Die Bauern unterliegen und so zieht die ganze Schar - zu diesem Zeitpunkt schon sichtlich angeheitert - 4km hinauf zur Stadt. Als Ausnüchterung dient dieser Marsch meist nicht, denn beide Seiten sind nicht nur bewaffnet, sie haben mit reichlich Trinkflaschen auch ihr Überleben gesichert … Auf halber Strecke greifen die tapferen Frauen von Soller ins Geschehen ein und treiben die Mauren erst mal in die Flucht. Die letzte Schlacht findet dann vor der Kathedrale Sant Bartomeu statt: Feuerwerk, Schüsse, grosse Menschenmassen, die mal hierhin und mal dorthin schieben, und dann haben die Mallorquiner endlich gewonnen. Mauren und Christen setzen sich in ihre Lieblingsbars, lecken ihre Wunden und überlegen sich schon den Ablauf für das nächste Jahr. Wer also bereit ist, einen Tag lang alle „Health & Safety“ Bestimmungen über Bord zu werfen, Menschenmassen, Saufgelage und Lärm liebt, der kann an diesem Wochenende in Mallorca einen Heidenspass haben. Wer ohne Tinnitus und Alkoholvergiftung davon kommen will, findet bestimmt auch etwas bei den anderen Veranstaltungen, die die ganze Woche stattfinden.

Hier der Plan für das nächste Wochenende: Freitag 12. Mai: um 20 Uhr ziehen örtliche Dudelsackspieler und Trommlergruppen von der Carrer del Born zur Plaça. Anschließend gibt es ab 23 Uhr eine Party mit Livebands und DJs. Samstag 13. Mai: um 11 Uhr findet ab der Plaça der Umzug mit Schwellköpfen und den „Valentes Dones”, der tapferen Frauen statt. Um 17 Uhr Prozession mit der Mare de Déu de la Victòria bis zur Pfarrkirche und anschließender Blumenniederlegung. Ab 22 Uhr gibt es Livemusik und DJs mit Open End in der Alameda. Sonntag 14. Mai: von 10 bis 14 Uhr Kunsthandwerkermarkt auf der Gran Vía. Um 12 Uhr findet ein Konzert der Stadtkapelle auf der Plaça statt, um 18.30 Uhr bietet die Gruppe Aires Sollerics Folkloretänze in der Alameda. Um 22 Uhr gibt es ein A-cappella-Konzert auf der Plaça. Das Tagesprogramm schließt um 22.30 Uhr mit Folklore und Dudelsackspieler auf der Plaça del Mercat. Montag 15. Mai: Haupttag der Fiesta und Tag der großen Schlacht: 15 Uhr: Der Feind wird gesichert, es läuten die Glocken und die Einwohner treffen sich auf der Plaça dels Estiradors, um dem Feind im Hafen entgegenzutreten. 15.30 Uhr: Kapitän Angelats ruft die Sollerics zum Kampf auf. 17 Uhr: die Piraten versuchen, an der Platja de Can Generos an Land zu gehen, werden aber zurückgeschlagen. 18.15 Uhr: den Mauren gelingt es, an der Platja d'en Repic an Land zu kommen. Die Kämpfe beginnen und verlagern sich vom Strand zur Stadt, die gegen 20.30 Uhr eingenommen wird. 20.50 Uhr: der Anführer der Mauren verkündet vom Balkon des Rathauses den Sieg. 21 Uhr: ein letztes Aufbäumen der Sollerics, sie sammeln sich in der Carrer Sa Lluna und erobern die Stadt zurück. 12:30 Uhr: Kapitän Angelats, der Anführer der Sollerics, verkündet den Sieg der Einwohner Sóllers.

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