• Wibke

Eine Ballon-Safari über der Serengeti in Tansania

Aktualisiert: Juli 20


Eine riesige Feuerwolke steigt mit unglaublichem Getöse in den Himmel. Wahrscheinlich leben die Tiere der Serengeti in ständiger Angst vor den grossen grün-goldenen Drachen, die sich jeden Morgen bei Dämmerung in die Lüfte erheben, um über ihren Köpfen zu kreisen. Was für eine Chance hat selbst der mächtige Löwe gegen so einen Feind? Es ist kurz vor Sonnenaufgang im Serengeti-Nationalpark im Osten Afrikas - mit 14.763 km2 sicherlich einer der größten und auch bekanntesten Nationalparks der Welt. Rund 120.000 Touristen besuchen sie jährlich.

Ob Nashörner, Gazellen, Giraffen, Büffel, Elefanten oder Löwen und Leoparden – nirgends sind die Chancen, diese Tiere in freier Wildbahn zu sehen, grösser.

Nirgends auf der Welt gibt es mehr Großwild, nirgends mehr Löwen und Hyänen. Ein Ort der Superlative, der perfekte Ort für unseren ersten Ballonflug: Unser Drache hat sich inzwischen zu einem Heissluftballon entpuppt. Vier Brenner haben heisse Luft in den riesigen Bauch geblasen, bis dieser sich immer mehr gewölbt und erhoben hat.


Unser Pilot gibt uns die letzten Instruktionen: Lange Haare unter die Kapuze und sitzen bleiben, bis er uns erlaubt, aufzustehen. ​​Ich fühle mich ein bisschen wie ein Astronaut, als ich mich in den noch liegenden Korb kauere. Mit dem Rücken auf dem Boden und angewinkelten Beinen warten wir darauf, dass der Ballon sich aufrichtet. Ein letztes Fauchen und ein riesiger Feuerstrahl – der Korb bewegt sich, dreht sich nach oben – erst jetzt sind wir in Sitzposition - und hebt sanft wie eine leichte Feder ab. ​​Wir fliegen! Kaum in der Luft dürfen wir auch aufstehen. Lautlos schweben wir über die Savanne, der aufgehenden Sonne entgegen. Traumhaft! Es ist wirklich komplett still. Sobald der Drache/Ballon in der Luft ist, muss er nur noch ganz selten einen kleinen Faucher loslassen. Ansonsten ist das einzige Geräusch das Knarzen des Korbes und unsere Begeisterungsrufe über die unglaubliche Schönheit der Landschaft: im goldenen Licht der Morgensonne färbt sich das Gras der Serengeti in ein weiches Orange.


Wir gleiten knapp über die Gipfel der typisch afrikanischen Schirmakazien auf einen kleinen See zu. Die Nilpferde, die gemächlich im Wasser plantschen, wundern sich vielleicht über den grossen Schatten, der plötzlich auf sie fällt, aber hören können sie uns nicht. Das Massai-Wort (Volksstamm des östlichen Afrikas) Serengeti bedeutet übersetzt „das endlose Land“. Auch von oben sehen wir bis zum Horizont nicht anderes als afrikanische Weite. 1,2 Millionen Weißschwanz-Gnus und Hunderttausende von Zebras schlagen auf ihrer Suche nach Wasser und Gras eine gewaltige Fährte durch die Serengeti. Auf ihrer Wanderung begegnen die Gnus und Zebras Antilopen, Gazellen, Giraffen, Büffeln, Löwen und Hyänen. Und alles hängt am Gnu. Denn ohne den Dung, den sie Tag für Tag absetzen, wäre die Landschaft unfruchtbar.

Dann wüchse hier noch nicht einmal mehr Gras. Der für alle überlebenswichtige Fluss Mara entspringt in den kenianischen Mau-Bergen, die als Wasserspeicher für die Trockenzeit funktionieren. Leider wurden sie in den vergangenen Jahren so stark abgeholzt, dass der Mara-Fluss heute schon nicht mehr so viel Wasser führt wie früher. Darüberhinaus brauchen die immer grösser werdenden Weizenfarmen künstliche Bewässerung, die vom Hauptfluss entnommen wird. Sollte der Mara zweimal hintereinander für ein bis zwei Monate austrocknen, werden die großen Gnu-Herden verschwinden, und mit ihnen das Ökosystem Serengeti.!Dieses Ökosystem der Savannenlandschaft gehört zu den ältesten der Erde - Klima, Vegetation und Fauna haben sich in den letzten Jahrmillionen nur wenig verändert. Berühmt geworden ist die Serengeti durch die "Great Migration", die jahreszeitliche Wanderung der Tierherden. ​

​So machen sich während der kleinen Regenzeit im Oktober und November über eine Million Gnus und etwa 200.000 Zebras auf der Suche nach grüner Vegetation und Wasser von den Hügeln im Norden zu den Ebenen im Süden auf, um dann nach der großen Regenzeit im April, Mai und Juni nach Norden zurückzuziehen. Dieser uralte Trieb ist so stark, dass sich die Tiere weder durch verdorrte Landstriche, noch durch Schluchten oder die in den Flüssen lauernden Krokodile aufhalten lassen – und schon gar nicht durch einen über sie dahingleitenden Ballon!


Wir haben März, normalerweise passieren die grossen Herden die Gegend um Seronera Ende Mai, im Juni und dann nochmals im November/Dezember. Seronera liegt im Herz der Serengeti. Hier gibt es einige Hotels und mehrere mehr oder weniger luxuriöse Zeltunterkünfte. Von hier starten die einzigen Heissluftballons Tansanias. Tiere und kleinere Herden kann man in der Serengeti das ganze Jahr über beobachten, aber natürlich würden wir gerne die grosse, berühmte “Migration” sehen. Unser Pilot macht uns Hoffnung: Die kleine Regenzeit war sehr dürftig und so wurden schon jetzt grosse Herden von Zebras und Gnus in der zentralen Serengeti gesichtet. In weiter Entfernung sehen wir einen dunklen Fleck im goldenen Gras. Wir gehen auf Tiefflug und nähern uns langsam und geräuschlos.

Da sind sie: Tausende von Gnus und Zebras! Eine riesige Herde, die mit unzähligen Hufen Staub aufwirbeln.

Um unseren Tiefflug nicht in einer Bruchlandung enden zu lassen, muss unser Pilot die Brenner aktivieren. Und da ist sie wieder: Die Panik der Tiere vor dem grossen Drachen. Was vorher eine gemächlich vor sich hinwandernde Herde war, sprengt jetzt im Jagdgalopp in alle Richtungen. Das Geräusch, das die vielen Hufe auf dem trockenen Savannenboden machen, wird für uns immer unvergesslich bleiben. Der Ballon steigt langsam wieder über den Weidetieren in die Höhe. Nach und nach fallen die Zebras in einen ruhigeren Trab. Die Herde entspannt sich wieder und trottet, ihrer inneren Uhr folgend, weiter Richtung Süden. Selbst unser Pilot war von dem Anblick so begeistert, dass wir bereits über einem Hügel schweben, auf dem uns die Jeeps nicht holen können. Denn der Ballon fliegt mit der Thermik.


Auf den holprigen Strassen versuchen die Autos, in Sichtweite zu bleiben, um die Passagiere, nach der Landung aufzunehmen. Hier ist man in der Wildnis. All die Tiere, die man vorher von oben gesehen (oder viel gefährlicher: auch nicht gesehen) hat, leben hier in freier Wildbahn. So versuchen die Piloten meist nach einer Stunde, in der Nähe eines Weges zu landen – auch um den Tieren und der Natur möglichst wenig zu schaden. Über Funk verständigt sich unser Kapitän mit dem zweiten Ballon.

Wir müssen über den Hügel und dann schauen, wo eine ausreichend grosse und freie Fläche zum Landen ist. Und dann geht es ziemlich schnell: Wir kauern uns wieder in den Korb, während wir haarscharf an Baumwipfeln vorbeisausen. In meinem Kopf spielen sich schon Horrorszenarien ab, in denen wir meterweit über den Boden schleifen, oder von Baumkronen einfach aus dem Korb gekippt werden. Aber nichts dergleichen passiert: Unser Pilot landet den Ballon samtweich auf dem harten Boden. Schon kurze Zeit später kämpfen sich zwei Jeeps durch das Gestrüpp, um uns zu unserem Champagnerfrühstück abzuholen.

“Jenseits von Afrika”- Feeling pur stellt sich ein, als wir unter einer riesigen Schirmakazie gemütlich zum Frühstück Platz nehmen.

Neben Champagner gibt es frische, tropische Früchte, warme Brötchen und ein typisches englisches Frühstück mit Würstchen, Pilzen, Eiern und Tomaten. Stilecht von Kellnern in traditioneller!Swahili Kleidung samt Turban serviert. Wie soll mein Leben nach so einem unvergesslichen Erlebnis weitergehen? Mit Träumen! Ich wünsche mir einen Drachen, mit dem ich jeden Morgen über die Erde schweben kann ... und vor allem soll er mir bitte danach jedes Mal so ein Frühstück kredenzen!

Allgemeine Auskünfte:

Tansania gilt als eines der sichersten Reiseländer Afrikas. Informationen zu Gesundheitsvorsorge, Einreise und politischer Situation gibt die Botschaft der Vereinigten Republik Tansania in Bonn. www.tanzania-gov.de

Visum:

Für 50 Dollar gibt es bei der Ankunft in Tansania ein Visum. Wer das im Vorfeld erledigen möchte, kann sich an die Botschaft der Vereinigten Republik Tansania in Bonn wenden. www.tanzania-gov.de

Anreise:

Condor fliegt einmal wöchentlich ab ca 800 Euro direkt zum Kilimandscharo International Airport, oder auch nach Sansibar.

Pauschal: Ein erstklassiger Anbieter für Safaris ist Africa-Travel- Resource. Die internetseite ist sehr informativ, allerdings nur auf englisch. www.africatravelresource.com

Ballon-Safari:

Die Ballonfahrten in der Serengeti lassen sich in jede Safari integrieren. Man kann sie entweder über den jeweiligen Anbieter, oder direkt bei www.balloonsafaris.com/ buchen. Pro Person kostet der ca einstündige Flug und das Champagnerfrühstück 499 Dollar.

Unterkunft:

Das Ronjo-Camp garantiert “Jenseits von Afrika”-Feeling. Die Leinenzelte mit Badezimmer stehen mitten in der Serengeti. www.tanganyika.com

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