• Wibke

Glücksfall Slowenien


„An für si net.“ Ich schaue den österreichischen Grenzbeamten mit großen Augen an: „Mhm … und was bedeutet das?“. „Na, dass ihr hier an für sich nicht rüberfahren dürft, weil das momentan nur für Slowenen und Österreicher erlaubt ist.“ Just in diesem Moment springt der Ventilator im Motorraum meines Busses an, um die „leicht“ erhitzte Maschine zu kühlen.

Van Life vor Sternenhimmel

Die Anfahrt zum Wurzenpass war steil und kurvig. Nicht unbedingt das Lieblingsgelände meines 25 Jahre alten treuen Gefährten, der diesen Urlaub unbedingt unbeschadet hinter sich bringen sollte, denn Coronabedingt ist er auch unsere einzige Unterkunft – sozusagen

„My van is my castle“

Der nette Herr in Uniform betrachtet mitleidig den dramatischen Auftritt unseres Autos und winkt uns durch.

Der erste von vielen Glücksfällen, die unsere Reise nach Slowenien zu einem unvergesslichen Erlebnis machen, denn die Alternative wäre ein Riesenumweg über den Karawanken-Tunnel. Unser Ziel ist das abgeschiedene Soča Tal, der Wurzenpass ist die direkteste Zufahrt. Auch wieder Coronabedingt ist dieser Zugang momentan nur für besagte Nationalitäten geöffnet (am besten vor Abreise die aktuelle Lage checken). Meine Schwester Frauke und ich waren allerdings auf der Fahrt so mit unserer Tourenplanung beschäftigt, dass wir die Hinweisschilder am Straßenrand scheinbar übersehen hatten.


Wandern im Soča Tal in Slowenien

Überglücklich fahren wir über die Grenze und hinein in das große Unbekannte:


Slowenien ist noch ein weißer Fleck auf meiner Landkarte.


Grollender Donner eines herannahenden Gewitters erinnert uns nachdrücklich daran, dass wir dringend einen Stellplatz für die Nacht suchen sollten. In Slowenien und vor Allem im Nationalpark (wir befinden uns im Triglav Nationalpark) ist wildes Campen strengstens verboten. Also fahren wir im strömenden Regen über den Vršičpass hinab Richtung Soča-Tal, in dem es einige Campingplätze geben soll.


Und hier kommt Glücksfall Nummer 2. Denn auch hier sagt der freundliche Betreiber, dass sie eigentlich ausgebucht seien, aber bei dem Wetter jagt man ja keinen Hund vor die Tür (oder in unserem Fall keinen Bus auf die Straße). Und so findet er für uns noch ein Plätzchen direkt am rauschenden Bach.


Am nächsten Tag hat sich die Gewitterdramatik verflüchtigt und wir bestaunen die hohen Berge, den glasklaren, türkisfarben Bach und die dichten grünen Wälder. Wie anders die Welt doch bei Sonnenschein aussieht.

Unser netter Campingplatz-Besitzer empfiehlt uns eine Wanderung im Tal. „Heute Nachmittag kann es wieder gewittern, da solltet ihr nicht in den Bergen sein!“. Nach dem Naturschauspiel des vorigen Abends braucht es keine große Überredungskünste, außerdem lockt mit dem „Soška pot“ - dem Wanderweg entlang dem Fluss Soča - ein Highlight, das ganz weit oben auf unserer Liste steht. Wir könnten die 27km an einem Tag laufen, aber wir beschließen, das Ganze auf zwei Tage zu verteilen, so dass wir nachmittags noch Zeit zum Baden haben.

Die Mala Korita ist eine etwa 100m lange Engstelle - Hier ist die bis zu 6m tiefe Schlucht teilweise nur noch ein Meter breit.

Unser Campingplatz liegt optimal direkt am Wanderweg und außerdem befindet sich an der Straße eine Bushaltestelle, von der man hoch auf den Vršičpass und bis ans Ende des Soča-Tals fahren kann. Die Verkehrsanbindung ist ideal, um den Weg in Etappen zu laufen.

Kann man sich in einen Fluss verlieben?

Nach unserem Slowenien-Trip kann ich mit Sicherheit sagen: Man kann!

Nie zuvor habe ich ein so glasklares, türkisblaues Gewässer gesehen, das sich an jeder Biegung etwas Neues überlegt, um uns zu beeindrucken. Mal zwängt es sich wie der Mala Korita zwischen bizarren Felsen und malerischen Kolken hindurch, mal fließt die Soča durch breitere Talabschnitte und gibt den Blick auf die umliegenden Berge frei. Im oberen Teil sind die Berghänge noch steil und das Tal dunkel und bewaldet; doch je länger wir wandern, desto mehr weitet sich das Tal. Immer wieder queren wir den Fluss über abenteuerliche Hängebrücken und können uns kaum sattsehen an der beeindruckenden Bergszenerie, die sich uns bietet: blauer Himmel, graue Berge, tiefgrüner Wald, bunte Wildblumen und natürlich der türkisblaue Fluss.


Sprung in den lauwarmen See von Bled

Einziger Nachteil: Die Soča ist eiskalt und lädt damit nicht wirklich zum längeren Planschen ein, aber auch hierfür gibt es eine Lösung –


Glücksfall Nummer 3: Der malerische, lauwarme (24 Grad) See von Bled.


Manchmal sehe ich ein Foto und denke „das sieht wunderschön aus, da muss ich hin.“ Genauso ging es mir mit einem Bild von Bled: Mit seinem bläulich-grünen See, der Postkarten-Kirche auf einer kleinen Insel, einer mittelalterlichen, trutzigen Burg, die imposant an einer felsigen Klippe klebt, und einigen der höchsten Gipfel der Julischen Alpen und der Karawanken als malerische Kulisse.

Und auch in Natura ist die Szenerie beeindruckend, was natürlich viele Touristen aus aller Herren Länder anlockt. Eine 10km lange Wanderung führt einmal rund um den malerischen See bis hinauf zum Aussichtspunkt Mala Osojnica, von wo man einen wundervollen Rundum- und Tiefblick über den See, die Burg bis hin zum Hochstuhl, (mit einer Höhe von 2237 m der höchste Berg der Karawanken) hat.

Aber Slowenien hat noch viel mehr zu bieten als hohe Berge, klare Flüsse und warme Seen:

Auch die Hauptstadt Ljubljana ist auf jeden Fall einen Besuch wert.

Vor Allem, wenn man – wie ich – großer Drachenfan ist, denn zwei finster dreinblickende Getiere bewachen die gleichnamige Brücke, die über den Fluss Ljubljanica in die Stadt führen. Sehr zum Amüsement meiner Schwester, die mich, seitdem ich klein bin „kleiner Drache“ nennt, posiere ich fröhlich mit den imposanten Bronzefiguren. Die Legende sagt, Ljubljana sei vom griechischen Sagenhelden Jason gegründet worden, der dem König Aites das Goldene Vlies stahl und auf dem Weg nebenbei dann auch noch einen Drachen erlegte. Seitdem ist dieses Fabeltier aus der Stadtgeschichte nicht mehr wegzudenken. Damit sich Drachen, Fußgänger und Radfahrer frei bewegen können, ist ein großer Teil der Altstadt für den Autoverkehr gesperrt. So kann man im Sommer in zahlreichen, geschmackvollen mit Blumen geschmückten Cafés am Fluß gemütlich sitzen und die vielen architektonischen Bauwerke bewundern, wie beispielsweise die berühmte Dreifachbrücke, den herrlichen Platz Prešernov Trg, oder die Burg von Ljubljana, die einen 375m hohen Hügel östlich der Altstadt krönt. Und hier kommen wir zum letzten Glücksfall: Wir haben keine lebendigen Drachen gesichtet – nur unglaublich leckere Schokodracheneier, die wir sehr glücklich alle verputzt haben!


Info

Die Internetseite des slowenischen Tourismusverband gibt einen guten Überblick: https://www.slovenia.info/en

Im Rother Wanderführer “Slowenien zwischen Julischen Alpen und Adriaküste“ stehen – je nach Anspruch – leichte und schwierige Wanderungen gut beschrieben zur Auswahl.

Anreise

Mit dem PKW am besten über die (mautpflichtige) Tauernautobahn A10. Der Wurzenpass führt direkt ins Soča Tal – hier unbedingt vor Abreise überprüfen, ob der Pass (wegen der aktuellen Corona-Bestimmungen) für alle Nationalitäten geöffnet ist.


ÜBERNACHTEN: Campingplätze

In Slowenien und vor Allem im Triglav Nationalpark ist wildes Campen verboten. In den Sommerferien ist es ratsam zu reservieren, da es nicht viele Stellplätze gibt. Hier eine Auswahl an Campingplätzen:


1. Camping Trenta

Lage: Camping Trenta liegt direkt an der Soča, eingebettet in ein herrliches Bergpanorama. Es gibt einige Stellplätze, die direkt am Wasser liegen. Für uns war es ein toller Ausgangspunkt für Wanderungen rund um das Soča Tal. Camping Trenta ist der erste Campingplatz, wenn man vom Vršičpass den Berg herunter kommt.

Geöffnet: 20.04. bis 31.10.

Telefon: +386 31 615 966

2. Camp Korita

Lage: Camp Korita liegt an einer der schönsten Stellen der Soča. Hier können Mutige direkt von den Felsen in den eiskalten Fluss springen. Der Campingplatz ist klein und beliebt, deshalb besser reservieren. Für die, die weder Camper noch Zelt haben, gibt es Hütten und Glamping.

Geöffnet: 01.04. bis 31.10.

https://www.camp-korita.com/de/


3. Camping Bled

Lage: Der einzige Campingplatz direkt am berühmten See.

Bei dieser einzigartigen Lage ist er natürlich kein Geheimtipp, aber trotzdem empfehlenswert.

Es gibt ein Restaurant, Glamping (süße Holzhütten), einen Strand und einen Steg direkt in den See.

Geöffnet: 01.04 bis 15.10

https://www.sava-camping.com/en/bled-camping