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Guadeloupe – Den Kopf in den Wolken, die Füsse im Meer

Aktualisiert: März 11


​​„La Soufriere? ... Oh ... da müsst ihr früh aufstehen. Am besten lauft ihr bei Morgengrauen los, denn nachmittags zieht es immer zu.“ Pierre, der 80-jährige Vater unseres Vermieters, brummt wissend, während er an seiner Pfeife zieht. Ich, grosser Morgenmuffel schreibe seinen Rat als Übersprungshandlung einer senilen Bettflucht zu, die ja manche Leute in diesem Alter ereilt.

Wir stehen also am nächsten Morgen bei schönsten Sonnenschein gemütlich auf, frühstücken ausgiebig auf unserer Terrasse mit Blick über tropisch bewachsene, quietschgrüne Berge bis hinunter zum Meer. Während wir frischen Ananas-Saft trinken, schlürfen keinen Meter von uns entfernt Kolibris den Nektar der bunten Blumen, die überall prächtig gedeihen.

Ein orange-gelbener Schmetterling gesellt sich zu den Vögeln und macht das Bild von Guadeloupe für einen kurzen Moment perfekt, denn die Insel wird – wegen ihrer Form: zwei einzelne Inseln, die nur durch eine schmale Landbrücke verbunden sind – auch die Schmetterlingsinsel genannt.

Der rechte Flügel ist eher flach. Hier gibt es viele Zuckerrohrplantagen und auch die dazugehörigen Rum-Destillerien, sowie weisse Strände, die von Palmen und Mangroven gesäumt sind. Der linke Flügel heisst Basse-Terre und ist der bergige, vom Dschungel bewachsene Teil der Insel. Hier erhebt sich auch der aktive Vulkan „La Soufrière“, der mit 1467 Höhenmeter der höchste Berg der kleinen Antillen ist. Und genau dort wollen wir heute hinauf.

Mit Mühe reissen wir uns von unserem Paradiesgärtlein los. Die Küstenstrasse schlängelt sich hinauf und hinab, an steilen Klippen vorbei, durch mehrere kleine Ortschaften mit bunten Holzhäusern am Strand. Wir nehmen die Strasse landeinwärts nach St Claude, einem alten Thermalbad am Fusse des Berges. Von hier wird der Dschungel immer dichter und die Strasse immer schmaler. 10.000 mm Regen pro Jahr (das ist extrem hoch: die Vergleichszahl Heidelbergs liegt bei 745 mm) sorgen dafür, dass die Vegetation hier besonders üppig gedeiht. Unsere Wanderung startet bei den „Bains Jaunes „– einem Pool, der durch vulkanisch erwärmtes Wasser gespeist wird. Der hohe Eisengehalt färbt die Wände des Beckens immer wieder gelb, obwohl sie einmal in der Woche gereinigt werden. Momentan ist uns nach dem kurzen Anstieg ziemlich warm, daher lassen wir die heissen Quellen erst einmal links liegen. Von hier startet der gut ausgezeichnete und ausgebaute Wanderweg gemächlich den Berg hinauf. Die Wanderung ist trotz der ca. 680 Höhenmeter, die überwunden werden müssen, für jedermann gut machbar und so mischen sich hier perfekt ausgerüstete Outdoor-Touristen mit Einheimischen in Flip-Flops. Alle verfolgen das gleiche Ziel: einmal auf der Bergspitze zu stehen, solange es sie noch gibt. Der Vulkan ist einer der am best überwachtesten der Welt, Sorgen um einen unerwarteten Vulkanausbruch sind unbegründet. Aber Seismologen sind sich sicher, dass der Vulkan innerhalb der nächsten 500 Jahre ausbrechen und dabei höchstwahrscheinlich weite Teile der Insel zerstören wird. 500 Jahre erscheint uns doch eine ausreichend lange Zeitspanne, und so laufen wir gemütlich den Chemin des Dames (Damenweg) in spitzen Kehren hoch hinauf.

Ein dicker dichter grüner Teppich aus Farn bedeckt die Flanken des Berges, die so weit oben aber nicht mehr so hoch wachsen, so dass wir bis hinunter auf das Meer schauen können. Schon beim Anstieg kommen wir an einigen Felsspalten vorbei, aus denen uns nach faulen Eiern riechende Schwefelwolken entgegenkommen. Zu unserem Erschrecken stellen wir fest, dass es sich nicht nur um Schwefelwolken handelt, sondern dass in kürzester Zeit tatsächlich - wie aus dem Nichts - Wolken am Berg aufgezogen sind. Kurz vor dem Gipfelplateau sehen wir kaum noch die Hand vor den Augen. Der höchste Punkt ist mit einem gelben Schild „La Découverte 1467m“ beschriftet. Allerdings gibt es hier nichts zu découvrieren (entdecken), denn wir sehen nur Nebel. Sobald die Sonne weg ist, wird es auf dieser Höhe auch schnell kühl, und so ziehen wir – etwas enttäuscht ob unserer Beratungsresistenz gegen die guten Tips von Pierre - den Rückzug an. Dieses Mal lassen wir die heissen Quellen am Fusse des Berges nicht aus, sondern nutzen sie, um uns wieder aufzuwärmen.

Zurück an der Küste begrüsst uns die Sonne, als könnte sie kein Wässerchen trüben. So beschliessen wir, in Malendure ein Kayak zu leihen, um zum berühmten Réserve Cousteau zu paddeln, dem einzigen Unterwasser-Naturpark Frankreichs. Hier wurden 1955 Teile des preisgekrönten Films „Die schweigende Welt“ des berühmten Meeresforschers Jaques-Yves Cousteau gedreht. Heute hat sich um den schwarzen, vulkanischen Strand von Malendure eine kleine Ansammlung von Restaurants, Verkaufsbuden, Tauchanbietern und Kayakverleihern gebildet. Wir mieten uns Taucherbrille, Schnorchel, ein Boot und paddeln damit - in nur einer halben Stunde - durch türkisblaues Wasser zur vorgelagerten Insel Îlets de Pigeon. In einer kleinen Bucht bildet der schneeweisse Sand einen schönen Kontrast zu den schwarzen Felsen und bietet auch ausreichend Platz, um unser Boot an Land zu ziehen. Ein Leguan sonnt sich auf den dunkelnen Steinen und streckt, als ich mich ihm mit meiner Kamera nähere, seinen Kopf in die Höhe um mir seine imposante Halsfalte zu zeigen. Unklar, ob er imponieren oder drohen will, also ziehe ich mich lieber an den Strand zurück.

Wir schnappen uns die Schnorchelausrüstung und tauchen ein in die bunte Unterwasserwelt – Fischwärme knabbern an den Korallen, die sich gemächlich in den Wellen hin und her bewegen. Eine Wasserschildkröte zieht gänzlich unbeeindruckt vorüber, während wir vor Freude so hyperventilieren, dass wir Salzwasser schlucken. Beim Auftauchen aus der Unterwasserwelt spannt sich ein bunter Regenbogen von der sonnendurchfluteten Küste bis hin zu den dunklen Wolken, die sich über den Bergen im Landesinneren auftürmen. In Guadeloupe liegen Berge/Strand und Sonne/Regen eben sehr nah bei einander. Zurück am Strand von Malendure hat man den Top Spot für einen karibischen Traum-Sonnenuntergang: sie wandert direkt zwischen den zwei Hügeln der Îlets de Pigeon ins Meer. Kaum rollt unser Auto auf den Parkplatz vor unserer Unterkunft, als auch schon Pierre aus dem Haus schlurft. „Und habt ihr den Sonnenaufgang auf dem Gipfel gesehen – ich habe heute morgen geschaut: Er war frei!“ Zähneknirschend müssen wir zugeben, dass wir zu spät waren. Aber dann erzählen wir ihm von unserer Wanderung, dem Kayak-Ausflug, den vielen Tieren und dem traumhaften Sonnenuntergang am Strand – so viele tolle Erlebnisse an einem Tag, da kann man den Sonnenaufgang ja schon Mal verpassen, oder?

Pierre brummt etwas wie „Pah ... Touristen ... Langschläfer“ und zündet sich brummend seine Pfeife wieder an. Nach einer kurzen Pause grinst er uns doch wieder an: „Soso, ihr meint, ihr hättet heute schon viel erlebt ... um einen Tag in Guadeloupe perfekt zu machen, müssen wir jetzt auf jeden Fall noch einen Ti- Punch trinken.“

Rezept Ti Punch – Der Drink schlechthin auf Guadeloupe

Ti ist eine Abkürzung von petit (also kleiner Punch).

Zutaten: 1 cl 4-6 cl 1 Scheibe 0.5-1 cl Die Zubereitung ist simpel: Alle Zutaten auf Würfeleis im Gästeglas verrühren, Limettenscheibe dazugeben und ohne Trinkhalm servieren.

Allgemeine Auskünfte:

http://www.guadeloupe-islands.com gibt mit vielen Bildern einen guten Überblick, was auf den fünf verschiedenen Inseln erlebenswert ist. Internationale Vorwahl: +590 Währung: Euro

Die Einreise ist für EU-Bürger mit einem Personalausweis möglich. Falls Sie während des Urlaubs andere – nicht-französische - Inseln besuchen wollen, benötigen Sie einen Reisepass.

Reisezeit:

Obwohl Guadeloupe das ganze Jahr schön tropisch warm ist, gibt es doch eine Trocken- (Dezember-Mai) und eine Regenzeit (Juni-November). Den August und September gilt es zu meiden, denn hier kommen zu den sintflutartigen Regenfällen auch noch der ein oder andere Wirbelsturm.

Anreise:

Condor fliegt – meist mit einer kurzen Zwischenlandung auf einer anderen karibischen Insel – direkt von Frankfurt aus. Je nach Saison ab 800€ Airfrance und Corsair bieten Direktflüge ab Paris Orly. Ein Europa-Spezial Ticket der Deutschen Bahn in die französische Hauptstadt gibt es ab 39€. Vom Bahnhof geht es mit der Metro und dem Orlybus zum Flughafen Orly.

Natürlich kann man auch nach Paris fliegen — dort muss man dann aber auch den Flughafen wechseln.

Übernachten:

Die Tainos Cottages sind nicht günstig. Wer allerdings erst einmal die wunderschön am Ende des Strandes Grand Anse gelegenen Hütten gesehen hat, will nicht mehr gehen ... Plage de Grand Anse, 97126 Deshaies, Frankreich, tainoscottages.fr, Tel: +590 590 28-4442 Doppelzimmer ab 150€ pro Nacht incl. Frühstück

Selbstversorgerhütten am Berg mit Blick auf das Meer gibt es ab 540€ pro Woche in den Ecolodges Bungalows Arsenault, 442, Allée du Coeur, 97126 Deshaies, Guadeloupe FWI, Tel: 0590284774 Mob: 0690727285

Unter www.antilles-guadeloupe.fr finden Sie tolle Villen mit Swimmingpool, meist direkt am Meer.

Eine breite Auswahl an Unterkünften gibt es auf http://www.gitesdefrance- guadeloupe.com

Essen:

Leckere Cocktails und überwältigenden Fusion-Food direkt über dem Meer gibt es im Paradise Kafe. 83 Boulevard des Poissonniers, Deshaies 97126, Tel +590 690 19-4009

Im Koté Lagon kan man kreolische Küche direkt an der Lagune, des Traumstandes Grande Anse verspeisen. Plage de Grande Anse, Deshaies 97126, Tel +590 690 71-7557

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