• Wibke

Finland - Hier tanzt der Bär

Aktualisiert: 17. Juli

In Finnland gibt es laut dem allwissenden Google 188.000 Seen, 80.000 Elche, bis zu 200.000 Rentiere,

41 Nationalparks (seit 2022), 5,54 Millionen Einwohner und mehr als 1.500 Braunbären, dem finnischen National-Tier!

Ich bin in Nordfinnland, nahe der russischen Grenze. Dort, wo sich Hase und Igel gute Nacht sagen und hoffentlich der Bär tanzt, denn meine Mission ist klar:

ich möchte einen Braunbären sehen.


Genau genommen haben mich die sozialen Medien – für viele eher Hass-Objekt als Bereicherung – hierher geführt. Auf meiner Suche nach schönen Fotos von Braunbären fand ich immer wieder Posts des finnischen Fotografen Valtteri Mulkahainen. Auf meine Frage, wo er denn die tollen Fotos mache, kam seine Antwort: „In Martinselkonen“.


Etwa 2 Autostunden südöstlich von Kuusamo liegt dieses von Wäldern, Sümpfen und Seen geprägte Naturschutzgebiet.

Das gleichnamige Martinselkonen Wilds Centre ist ein Eldorado für Bär-Begeisterte und Tier-Fotografen - die Chancen, hier einen Bären relativ nah zu sehen, sind ausgesprochen hoch.

Am Nachmittag machen wir uns aufgeregt auf den Weg. Wir laufen ein paar Kilometer in den unberührten Wald. Hier gibt es verschiedene Hides - eine Art Jägersitz - nur sind diese rundum geschützt und haben keine Schießscharten für Gewehre, sondern für Foto-Objektive.

Es gibt Hütten im Wald, im Sumpf, auch am See.

Klicke auf das erste Bild um die Fotostrecke zu starten


Ich entscheide mich für den Sumpf. Mitte Juni hat die Wollgras-Blüte bereits begonnen und die weißen Puschel glitzern verheißungsvoll in der Sonne. Kurz bevor wir die Hütten erreichen, ist am Horizont schon der erste Braunbär zu sehen. Unser Guide Joonas Jaakkola scheucht mich in meine Beobachtungshütte und gibt letzte Anweisungen:

Baunbär in Finland - auf der Suche nach Honig

Alleine mit den Bären

„Denk daran, ich komme morgen früh um sieben zurück. Bis dahin darfst du nicht aus der Hütte gehen.“ Nun bin ich alleine in einem circa 2 m² großen Holzhaus. Allerdings habe ich überhaupt keine Zeit, mir Gedanken zu machen, denn vor dem Fenster sehe ich Meister Petz gemütlich auf meine Aussichts- Position zutraben.

Was sich in den nächsten Stunden abspielt, kann meiner Meinung nach mit jedem BBC Dokumentarfilm mithalten: wo sich sonst Fuchs und Hase gute Nacht sagen, tanzt im wahrsten Sinne des Wortes der Bär.

Kurz nachdem der erste Bär erschienen ist, trapsen wie an der Schnur aufgereiht drei gerade mal drei Monate alte Baby-Bären durch die Sumpflandschaft. Sie sind so nah, dass ich auch ohne Fernglas ihr kuscheliges Fell sehen kann. Als sich ein grosser männlicher Bär nähert, klettern die drei kleinen behende einen Baum hoch, während die Mutter darunter Stellung nimmt.

Baby-Bären werden im Februar/März geboren, in den ersten Monaten ist für sie bei Gefahr der sicherste Platz auf einem Baum, den die Mutter – notfalls - mit den Zähnen verteidigt.

Riina Määttäs, die Besitzerin vom Martinselkonen Wilds Centre

Riina Määttäs, die Besitzerin vom Martinselkonen Wilds Centre, erzählte mir am Morgen, dass die Bärenmütter und ihre Babys das Glück dieser Gegend sind. Denn jede Mutter gibt sozusagen an ihre Kinder weiter, wo ein sicherer Platz ist und wo sie Futter finden können. So kommen jedes Jahr mehr Bären in das Naturschutzgebiet. Inzwischen gibt es hier mehr als 30 Tiere, denen Grenzstreitigkeiten egal sind.

Die Bären pendeln unbeeindruckt jeden Tag von Finnland nach Russland, wo sie sich in den tiefen unbewohnten Wäldern verstecken können.

Bis zu 70 km am Tag kann ein Braunbär zurücklegen. Im Winter schlafen sie in Höhlen, aber im Sommer ruhen sie tagsüber – gut versteckt - unter Bäumen. Erst am Abend werden sie aktiv, um Futter zu suchen. Im Frühling essen sie alles, was ihnen vor die Nase kommt, auch Vögel und Insekten, um nach der langen Winterruhe wieder an Gewicht zuzulegen. Im Sommer ernähren sie sich hauptsächlich von Beeren, Gräsern, Pilzen und Wurzeln.


Bis Mitternacht findet vor meiner Hütte ein ständiges Kommen und Gehen statt. Aber auch nach all den Stunden auf Beobachtungsposition ist es mir keine Sekunde langweilig. Ich kann meine Augen von dem Spektakel nicht abwenden, von dem ich so lange gehofft habe, dass ich es sehen würde.

Wer nicht ganz so viel Geduld aufbringen will, kann bei einem Abend-Spaziergang zu einer größeren Beobachtungshütte wandern, in der mehrere Personen Platz haben. Um 23 Uhr geht es dann zurück zum Haus und zu bequemen Betten, denn in den Hides gibt es nur einfache Pritschen und eine Eimer-Toilette.

Bär heißt auf Finnisch Karhu

„Bär heißt auf Finnisch Karhu“ erklärt mir Jonas, als er mich am nächsten Morgen abholt. „Früher hat die Menschen hier diesen Namen allerdings nicht benutzt. Ein alter Aberglaube besagte, dass durch das Aussprechen des Namens ein Bär zum Hof gelockt und dort die Tiere umbringen würde. Also nannte man ihn den „König des Waldes“, oder „Honigpfote“.„Der Name Karhu ist also sowas wie der finnische Voldemort.“ denke ich mir belustigt.

Allerdings sieht „Honigpfote“ deutlich putziger aus -

schon nach der ersten Nacht bin ich hoffnungslos verliebt!

Info:

Allgemeine Informationen zum angeblich glücklichsten Land der Welt gibt es auf www.visitfinland.com/de.

Auf www.nationalparks.fi findet der Besucher was man über die 41 Nationalparks in Finland wissen muss.


Hinkommen:

Kuusamo ist der nächste Flughafen. Flüge mit Zwischenstop in Helsinki gibt es bei Finnair (www.finnair.com/de-de). Von dort ist man am flexibelsten mit einem Mietwagen. Zu buchen beispielsweise über das Vergleichsportal www.billiger-mietwagen.de.


Bären & Schlafen:

Bärenbeobachtungen sind von Mitte Mai (für Fotografen früher) bis Mitte August buchbar, danachbeginnt die Jagd-Saison und die Tiere sollen genug Zeit haben sich in den tiefen Wäldern zu verstecken. Neben sechsstündigen Abendsafaris (90€) gibt es auch Übernachtungsangebote:

Für Teilnehmer, die Bären vor allem beobachten wollen, stehen geräumige Hütten (150€ pro Person) mit Sitzplätzen, großen Sichtöffnungen, Etagenbetten und Komposttoilette bereit.

Für Fotofans gibt es im Wald, im Sumpf und am Seeufer kleine Hütten – sogenannte Hides – mit Koje und Eimertoilette. Die Foto-Packages für ein bis zwei Personen gibt es für mehrere Tage und rangieren preislich zwischen 190 und 720 Euro.

Martinselkonen Wilds Centre Tel: +358 (0) 8736 160, www.martinselkonen.fi


Der nahegelegene Hossa Nationalpark lädt zum Wandern, Paddeln und Baden ein. Schöne Hütten direkt am See mit Gemeinschaft-Sauna gibt es auf dem Campingplatz Hossan Lumo. Ab 35€ pro Nacht.

Tel: +358 500 166 377 www.hossanlumo.fi/de/