Alpenüberquerung von Salzburg nach Triest: Route, Erfahrungen und GPS (28 Tage)
- vor 1 Tag
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28 Tage, vier Länder, 500 Kilometer, 24.500 Höhenmeter, drei Nationalparks und ein Ziel: das Meer.

Die Alpenüberquerung von Salzburg nach Triest gilt noch als Geheimtipp
– einsam, wild und deutlich weniger begangen als andere Routen.
Wir haben uns auf den Weg gemacht, sind durch Regen und Sonne gewandert, haben gezweifelt, gelacht und sind irgendwo zwischen Bergen und Adria jeden Tag ein Stück über uns hinausgewachsen.
Hier findest du eine kompakte Übersicht der gesamten Route, unsere Erfahrungen und die GPS-Daten für jede Woche.
1. Woche (Etappen 1–7): Von Salzburg bis zum Statzerhaus
Die Alpenüberquerung startet in der Altstadt von Salzburg.
Bei strahlendem Sonnenschein brechen wir auf – ohne zu wissen, dass wir die Sonne für die nächsten sechs Tage zum letzten Mal sehen werden.
Schon am ersten Tag führt der Weg durch anspruchsvolles Gelände hinauf zum Zeppezauerhaus. Es ist das letzte Mal, dass wir durch grössere Städte kommen. Ab jetzt wird es einsam und nass!
Den berühmten Königssee und den Nationalpark Berchtesgaden mit dem größten Wasserfall Deutschlands sehen wir meist nur in kurzen Regenpausen. Doch das schlechte Wetter hat auch einen Vorteil: Die Wege sind wie leergefegt.
Statt Menschen begegnen uns Murmeltiere, Gämsen, Rotwild und Alpensalamander.
Oberhalb des Königssees führt die Route durch den Nationalpark ins Steinerne Meer. Am sechsten Tag passiert das, womit wir kaum noch gerechnet haben: Sonne. Im Ingolstädter Haus werden wir von rosafarbenem Morgenlicht geweckt. Noch im Schlafanzug stehen wir auf der Terrasse und schauen auf die rot leuchtenden Berge. Das Steinerne Meer wirkt surreal. Wind und Wetter haben den Fels wie Wellen geformt – eine karge, fast unwirkliche Landschaft.
Von Maria Alm geht es weiter in die Salzburger Schieferalpen. Ein aussichtsreicher Kammweg führt von der Schwalbenwand zum Hundstein. Auf dem Gipfel steht das Statzerhaus – mit einer spektakulären 360-Grad-Rundumsicht.
Prost auf die erste Woche in den Alpen.
Die GPS Daten zur ersten Woche findest du hier auf Outdooractive.
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2. Woche (Etappen 8–14): Vom Statzerhaus nach Greifenburg
Die zweite Woche fordert uns körperlich heraus. Längere Etappen, mehr Höhenmeter, weniger Pausen.
Am zehnten Tag erreichen wir mit der Fraganter Scharte (2754 m) den höchsten Punkt der gesamten Alpenüberquerung. Von hier aus blicken wir auf die mächtigsten Gipfel Österreichs: Großglockner, Großvenediger und Hoher Sonnblick.
Der lange Abstieg wird unerwartet versüßt – eine Almhirtin empfängt uns mit Kaffee und Keksen.
Auf dem Großen Sadnig soll angeblich sogar Brad Pitt für Sieben Jahre in Tibet gestanden haben. Der Blick ins Tal erinnert tatsächlich an Shangri-La: grüne Wiesen, glitzernde Bäche und absolute Einsamkeit.
Durch das Staller Tal steigen wir weiter in die Kreuzberggruppe auf.
Dort finden wir unsere neue Lieblingsunterkunft: die Hugo-Gerbers-Hütte.
Sie wird von Freiwilligen betrieben und liegt fernab vom Massentourismus.
Im Sonnenuntergang sitzen wir mit wenigen anderen Wanderern auf einer Bank, essen frisch gekochtes Curry und stoßen auf diesen Moment an.
Am nächsten Tag folgt ein weiteres Highlight: der Kammweg zur Feldner Hütte. Ein Panoramaweg mit Blick in alle Richtungen.
Beim Abstieg begegnen wir Postesel Anton am höchstgelegenen Briefkasten Österreichs. Er lässt sich geduldig kraulen – und transportiert anschließend unsere Postkarten ins Tal.
Die GPS Daten zur 2. Woche findest du hier auf Outdooractive.
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3. Woche (Etappen 15–21): Von Greifenburg bis zur Koča na Doliču
In der dritten Woche erreichen wir den anspruchsvollsten Teil der Alpenüberquerung. Die Route führt von Österreich über Italien nach Slowenien – von den Gailtaler Alpen über den Karnischen Hauptkamm bis in die Julischen Alpen.
Ab hier wird es alpin.
Vom italienischen Rifugio Zacchi überschreiten wir an der Scharte La Porticina die Grenze nach Slowenien. Während die Wege in Italien gut markiert sind, ist der Weiterweg teilweise von Geröll verschüttet.
Erst im Tal des Triglav-Nationalparks wird die Orientierung wieder einfacher. In der Hütte Dom v Tamarju gibt es Bratwurst und Bier – und die typischen roten slowenischen Wegweiser führen uns zuverlässig weiter.
Die Etappen rund um den Vršič-Pass sind technisch die schwierigsten. Kletterstellen sind mit Drahtseilen und Eisenbügeln gesichert.
Besonders eindrucksvoll ist der Steig durch die Razor-Prisojnik-Gruppe.
Von unten wirkt die Felswand unüberwindbar. Doch auf den schmalen Pfaden eröffnen sich spektakuläre Ausblicke auf die Julischen Alpen – beobachtet von neugierigen Steinböcken.
Die Kletterpassagen sind für uns gut machbar. Mehr Sorgen macht uns das Wetter.
Jeden Morgen brechen wir im Morgengrauen auf, um den angekündigten Gewittern zuvorzukommen. Pausen gibt es keine. Erst in der Sicherheit der Berghütten können wir durchatmen.
Dort wartet jedoch die nächste Herausforderung: die deftige slowenische Küche – für Vegetarier nicht immer einfach.
Die GPS Daten zur 3. Woche findest du hier auf Outdooractive.
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4. Woche (Etappen 22–28): Von der Koča na Doliču nach Triest
Das Ziel ist zum Greifen nah.
Die letzten Etappen fühlen sich fast wie Dolce Vita an. Zwar laufen wir weiterhin täglich über 20 Kilometer, doch die Höhenmeter werden deutlich weniger.
Von der Koča na Doliču führt der Weg durch das Tal der Triglav-Seen zur letzten Berghütte Dom na Komni. Von unserem Zimmer blicken wir auf den Bohinj-See.
Danach geht es durch Wälder zu den Tolminer Klammen, dem südlichsten Zugang zum Triglav-Nationalpark.
Die letzten Tage führen durch Weinberge und mediterrane Landschaften. In Duino schwärmte schon Rainer Maria Rilke vom Blick auf das Meer.
Ein paar Kilometer Asphalt trennen uns noch vom Ziel. Dann wird der Weg wieder spektakulär: oberhalb der Klippen, mit Blick auf die Adria, laufen wir in Richtung Triest.
Das große Finale: die Piazza dell’Unità d’Italia.
Wir stoßen mit Limoncello Spritz an, essen Pizza und springen in die Adria.
Wir haben es geschafft.
Was anfangs unmöglich schien, liegt hinter uns. Wir sind erschöpft, glücklich – und ein bisschen wehmütig.
Als wir vor der Tour Christof Herrmann, den Entwickler der Route, fragten, warum man eine Alpenüberquerung machen sollte, antwortete er:
„Wenn du zu Fuß durch die Alpen ans Meer gelaufen bist – was soll dir dann noch passieren?“
Die GPS Daten zur letzten Woche findest du hier auf Outdooractive.
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Alles was du wissen musst: Infos zur Alpenüberquerung Salzburg–Triest
Die Alpenüberquerung von Salzburg nach Triest wurde von Christof Herrmann entwickelt, der die Route selbst bereits mehrfach gegangen ist. Auf seiner Website findest du detaillierte Tipps zur Planung, Packlisten, Varianten der Route sowie Informationen zur Hüttenreservierung:

Varianten der Route
Nicht jeder hat vier Wochen am Stück Zeit für die komplette Alpenüberquerung. Da die Route regelmäßig Täler kreuzt, ist es problemlos möglich, einzelne Abschnitte zu wandern oder die Tour in mehrere Etappen aufzuteilen.
Anreise
Die Anreise erfolgt am einfachsten mit dem Zug.
Hinweg: Salzburg ist gut angebunden und problemlos erreichbar
Rückweg: Nachtzug von Triest mit Umstieg in Udine, z. B. bis nach Stuttgart
Literatur & Planung
Ein hilfreicher Begleiter für die Tour ist der Rother Wanderführer:
Rother Wanderführer: Alpenüberquerung Salzburg–Triest
Beste Reisezeit
Die beste Zeit für die Alpenüberquerung liegt zwischen Anfang Juli und Mitte September. In diesem Zeitraum sind die Berghütten geöffnet und die Wahrscheinlichkeit für Schnee in höheren Lagen ist gering.
Wetter
Das Wetter in den Alpen kann schnell umschlagen. Besonders vor anspruchsvollen Etappen solltest du dich immer über die aktuelle Wetterlage informieren:
Anforderungen
Die Tour ist körperlich und technisch anspruchsvoll:
durchschnittlich 20 km pro Tag
etwa 1.000 Höhenmeter im Auf- und Abstieg
ca. 7 Stunden Gehzeit täglich
Einige Etappen erfordern:
alpine Erfahrung
gute Orientierung
absolute Trittsicherheit
Schwindelfreiheit
Ausrüstung
Eine durchdachte Packliste ist entscheidend. Grundsätzlich gilt: so viel wie nötig, so wenig wie möglich. Zu viel Gewicht macht die Tour unnötig anstrengend, zu wenig Ausrüstung kann schnell unangenehm werden.
Unterkünfte
Wer die Route wie im Rother Wanderführer beschrieben geht, übernachtet:
14 Nächte im Tal (inkl. Salzburg und Triest)
15 Nächte auf Berghütten
Gerade kleinere Hütten sind oft früh ausgebucht – eine rechtzeitige Planung ist daher wichtig. Mitglieder von Alpenvereinen erhalten meist Vergünstigungen.
Reservierungsmöglichkeiten:
Verpflegung
Auf den Berghütten werden in der Regel Frühstück und Abendessen angeboten. Einkaufsmöglichkeiten gibt es vor allem in den Tälern entlang der Route.

































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