Indigener Tourismus in Kanada: Zwischen Residential Schools und neuer Hoffnung
Der Orange Shirt Day gehört zu den bewegendsten Gedenktagen Kanadas. Im Nationalen Museum für indigene Residential Schools in Portage la Prairie

erfahre ich mehr über die dunkle Geschichte der Residential Schools und erlebe beim Powwow, wie Musik, Tanz und indigener Tourismus dazu beitragen, Kultur und Identität wiederzubeleben.
Eine Kindheit, die geraubt wurde
„Stell dir vor, du hast ein Kind. Stell dir jetzt vor, es ist Abend und du kannst es nicht ins Bett bringen. Du kannst es nicht in den Arm nehmen und ihm keine Gutenachtgeschichte erzählen. Du weißt nicht, wo es ist.
Du weißt nicht, wie es ihm geht. Du weißt nicht, ob und wann du es wieder siehst.
Und jetzt stell dir vor, du bist dieses Kind. Vielleicht gerade einmal vier Jahre alt. Du wirst aus den Armen deiner Mutter gerissen und wie ein Stück Vieh in einem Karren wegtransportiert. Du kommst in ein großes Haus, in dem du niemanden kennst.

Sie nehmen dir deine Kleidung und schneiden dir die Haare ab. Du darfst deine Sprache nicht mehr sprechen. Du bekommst nicht genug zu essen und selbst nachts wacht eine strenge Nonne neben dir im Schlafsaal.“
Donna Pratt, Stammesälteste der Dakota Plains Wahpeton Nation, hält am 30. September, dem Orange Shirt Day, im Nationalen Museum für indigene Residential Schools Kanadas in Portage la Prairie eine emotionale Rede. Viele der Besucher tragen an diesem Tag ein orangefarbenes Hemd.
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Dennis fühlt sich besser, seitdem er seine Liebe für Pferde erkannt hat. Nationalen Museum für indigene Residential Schools Kanadas in Portage la Prairie von aussen Lorraine Daniels zeigt mir einen Schlafsaal Beim Powwow Tanzen die Jugendlichen stolz Kinder malen orangene Shirts Und der Adler schaut voller Zuversicht in den Osten in Richtung der aufgehenden Sonne und in die Zuk
Wie entstand der Orange Shirt Day?
Auslöser für den Orange Shirt Day war das traumatische Erlebnis der damals sechsjährigen Phyllis Webstad.
Als sie vor mehr als 50 Jahren in eine von Nonnen geführte Residential School gebracht wurde, nahm man ihr gleich am ersten Tag das neue orangefarbene Hemd weg, das ihr ihre Großmutter zum Abschied geschenkt hatte.

Heute tragen jedes Jahr am 30. September viele Menschen ein orangefarbenes Hemd. Sie erinnern damit an die Kinder, die in den Residential Schools ihrer Familie, ihrer Sprache, ihrer Kultur und oftmals auch ihres Lebens beraubt wurden.
„Diese erzwungene Assimilation hat ein Riesentrauma ausgelöst, unter dem wir heute noch leiden“
sagt Donna. „Dieses Trauma hat zu Entfremdung und Drogenproblemen geführt. Wir stecken gerade im tiefsten Tal. Aber ich hoffe, dass wir jetzt aus diesem Tal herauskommen. Wir schaffen das, weil wir anfangen, unsere Kultur wiederzufinden. Schaut euch hier um! Das ist unsere Kultur. Hier sind wieder singende und tanzende Kinder, die stolz darauf sind, indigene Wurzeln zu haben.“

Hoffnung durch Kultur
Beim anschließenden Powwow ist die Luft erfüllt von Freude und Optimismus. Jugendliche und Erwachsene in aufwendig gefertigten Regalien führen traditionelle Tänze auf. Beim Chicken Dance bewegen sich die Tänzer wie Hühner, beim Grass Dance schwingen die langen Bänder ihrer Gewänder wie Gras im Wind.
Der Klang der Trommeln erinnert an einen Herzschlag.
Die Tänzer bilden eine Gemeinschaft. Sie sind Teil der First Nations, die ihre Kultur, ihre Sprache und ihr jahrtausendealtes Wissen über Natur und Land zurückgewinnen.
Indigener Tourismus in Kanada
Kultur ist Identität.
Immer mehr indigene Gemeinschaften in Kanada entdecken ihre Wurzeln neu und lassen Besucher daran teilhaben. Der indigene Tourismus wächst. Reisende möchten heute nicht nur Sehenswürdigkeiten besuchen, sondern Menschen kennenlernen, die ihre Geschichte erzählen.

Menschen wie beispielsweise Melanie Gamache von Borealis Beading. Mit ihrer Perlenstickerei verbindet sie Botanik, Traditionen und ihre Familiengeschichte zu kleinen Kunstwerken.
„Sticken ist meine Medizin. Es hat mich verändert und geheilt.“
In ihren Workshops geht es jedoch nicht nur um Perlen, Faden und Nadeln. Es geht um den roten Faden, der die Stickerei, das Land und ihre Kultur verbindet, der zeigt, wie vielfältig indigene Kultur heute ist – und warum Begegnungen mit den First Nations zu den eindrucksvollsten Reiseerlebnissen in Kanada gehören.
Auf meinem Blogpost Indigener Tourismus in Kanada - findest Du 5 weitere authentische Erlebnisse
Information:
Allgemeine Informationen zu Indigenen Reisezielen, Aktivitäten, Attraktionen und Übernachtungsmöglichkeiten gibt es auf der Website des indigenen Tourismus in Kanada:

Anreise:
Direktflüge von Frankfurt nach Kanada werden beispielsweise von Condor oder Air Canada angeboten.
Für die Einreise nach Kanada ist ein elektronisches Reisedokument (eTA) erforderlich: https://www.canada.ca/en/immigration-refugees-citizenship/services/visit-canada/eta/apply-de.html.
Machen:
Portage la Prairie: Im National Indigenous Residential School Museum erfährt man alles über indigene Kultur und die traurige Geschichte der Internate. Es können die Schul- und Schlafräume besichtigt werden. Dabei erfährt man viel über die Geschichte und die Auswirkungen dieser Zeit. Ein besonderes und sehr ergreifendes Erlebnis ist der Besuch am 30. September zum Orange Shirt Day.
Melanie Gamache von Borealis Beading verbindet in einem Workshop zur Perlenstickerei geschickt ihre Familiengeschichte mit der Geschichte der Métis und heiliger Pflanzen.
Wer möchte, kann auch in dem von ihr eingerichteten Tiny House „PerLODGE” auf ihrem Gelände übernachten.





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